Die neuen FEIF Richtlinien im Sport

Die neuen FEIF Richtlinien zum Richten im Sport

Die neuen FEIF Richtlinien gelten ab dem 1.04.2014. Sie sind bisher noch nicht in deutscher Sprache veröffentlicht.

Die wesentliche Änderung ist, dass bei jedem Reiter die Kategorien (oder Schlüsselelemente)

 

-Reiterliche Fähigkeiten/ Zusammenspiel mit dem Pferd

-Takt/ Gleichgewicht

-Geschmeidigkeit/ Balance

-Form/ Bewegung

-Ausführung (verlangtes Tempo gezeigt?)

 

bewertet werden. Für jede Gangart gibt es eine Art Tabelle, in der Fehler in der jeweiligen Kategorie beschrieben werden und durch Balken dargestellt wird, in welcher Notenspanne sich der Ritt dadurch befindet. Damit ist die Notenspanne des gesamten Aufgabenteils gemeint (also z.B. „Schritt“). Es ist nicht so gemeint, dass für die reiterlichen Fähigkeiten eine Note vergeben wird und nachher alle Schlüsselelement-Noten zusammengerechnet werden.

Zusätzlich wurde ein „Firewall-System“ erfunden: Wenn man in einer Kategorie der oben genannten fünf Kategorien oder Schlüsselelemente sehr schlecht ist, kann diese Notenspanne nicht mehr durch gute Leistungen in einer anderen Kategorie ausgeglichen werden. Beispiel: Das Pferd zeigt in dem Schlüsselelement „Form/ Bewegung“ eine Leistung, die in die erste Beschreibung passt: „Sehr schlechte Oberlinie, sehr kurze Schritte bei hoher Frequenz, sehr wenig Energie, kaum Lastaufnahme“. Die Notenspanne geht somit von 0 bis 3. Die Gesamtleistung des Aufgabenteils kann daher nicht über 3 liegen, auch wenn der Reiter noch so schön sitzt, der Takt bestens ist etc.

Wörtlich heißt es hierzu in den Richtlinien:

„Bei der Notenfindung bilden die Schlüsselelemente die Grundlage der Bewertung. Daher können gute Leistungen in einem bestimmten Element deutliche Defizite in einem anderen Element nicht ausgleichen. Um dies zu gewährleisten, wurden „Firewalls“ in den Anforderungen platziert, die in jedem Schlüsselelement beschrieben werden. Diese Firewalls können nicht überwunden werden und leiten den Richter, wenn er die den Bereich der möglichen Noten festlegt.“

Innerhalb des Bereiches entscheidet der Richter dann danach, ob die anderen Schlüsselelemente gut oder ähnlich bewertet wurden. Beispiel: Die reiterlichen Fähigkeiten /das Zusammenspiel sind in dem Bereich „Einige deutliche reiterliche Fehler, Schwierigkeiten beim Zusammenspiel“ einzuordnen. Die Notenspanne geht also von 2-6. Die 6 ist die Firewall, die nicht überwunden werden kann, wenn die anderen Schlüsselelemente nicht schlechter als 6 waren. Die reiterlichen Fähigkeiten begrenzen also die Note des gesamten Ritts, wenn die reiterlichen Fähigkeiten das schlechteste Schlüsselelement waren. Ob es nun eine 6 wird, richtet sich danach, ob die anderen Schlüsselelemente  deutlich besser oder ähnlich waren.

Die fünf Schlüsselelemente sind bei jeder Gangart dieselben, auch bei jeder Töltvariation (langsam, schnell, ohne Zügelkontakt). Die Fehlerbeschreibung ist natürlich gangartspezifisch, ähnelt sich aber auch überwiegend.

Hier habe ich mal das Beispiel „Langsamer Tölt“. Die allgemeine Beschreibung lautet:

 

„ Das Pferd soll sich nahezu in einem Viertaktrhythmus befinden, der flüssig durch das Pferd geht. Das Genick soll gewölbt sein, der Rücken aktiv und aufgewölbt, die gesamte Oberlinie soll ohne Spannung sein. Die Hinterhand ist aktiv und die Vorhand leicht und frei. Das Pferd befindet sich in Balance, mit starkem und aktiven Rücken, es ist losgelassen und zeigt flüssige Bewegungen“.

 

Unter der Tabelle heißt es: „ Die Wertung ist „0“, wenn die Gangart weniger als die einer langen Seite entsprechenden Strecke gezeigt wurde. Bei einer gelben Karte, kann der Richter 0,5 bis 2 Punkte von der Endnote abziehen (Vermerk: Die Endnote kann bei einer gelben Karte aufgrund der Firewall sowieso nicht höher als 2 sein)….Das Pferd sollte den Eindruck vermitteln, problemlos eine 10-m Volte zeigen zu können. In den Töltprüfungen, die ruhigen, langsamen Tölt verlangen, kann das Tempo etwas schneller sein, als wenn nur langsamer Tölt verlangt wird.

Zu den Beschreibungen in den einzelnen Schlüsselelementen:

horse generally submitting to the riding aids-  Pferd akzeptiert im Allgemeinen die reiterlichen Hilfen

poor beat- schlechter Takt

uneven strides- ungleiche Schritte

stiftness or tension- steif oder verspannt

predominantly/ reasonable supple- überwiegend ausreichend geschmeidig

contraines in movements- in der Beweglichkeit gehemmt

outline- Oberlinie

roominess- Raumgriff

required speed- verlangtes Tempo

Die deutsche Übersetzung wird bald folgen, Lutz Leesener hat zum Glück schon einiges fertig.

Ob nun in Zukunft schlechter reiterlicher Stil tatsächlich die Noten begrenzen wird und ob die Richter und Richterinnen es schaffen werden, in einer Gruppenprüfung V 5 in 10 sec, die sie für jeden Aufgabenteil pro Reiter im Schnitt haben, fünf Schlüsselelemente eines jeden Pferdes zu bewerten, wird sich zeigen. Die Richtzettel sollen sich leider wohl nicht ändern, so dass man auch nicht erfahren wird, welches Schlüsselelement die Firewall gesetzt hat. Auch für das Training lohnt es sich, eventuell einiges anders zu machen und die schwächsten Punkte vorrangig zu bearbeiten. Im großen und ganzen wird sich vielleicht auch nicht viel an den Noten ändern, denn es wird meistens so sein, dass die einzelnen Schlüsselelemente nicht extrem auseinanderfallen. Was besser an der neuen Richtlinie ist: Die Fehler sind konkreter beschrieben. Was toll ist: Im langsamen Tempo Tölt kann man bei zu schnellem Tempo noch eine Note knapp unter 6 bekommen. Das verlangte Tempo braucht man erst zu zeigen, wenn man eine 6 haben will. Das muss man wohl nicht unbedingt verstehen.

(Heike Mertens)