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Das Islandpferd

Um 850 brachten die ersten Siedler auf ihrer Flucht vor dem damaligen norwegischen König, Harald Schönhaar, die ersten Pferde auf die Insel. Diese Pferde waren die Ponies der Germanen, die die Wikinger mit den Keltenponies kreuzten, welche sie von ihren Raubzügen aus England und Irland mitbrachten. Das Islandpferd galt über Jahrhunderte als heiliges Tier. Amulette mit dem Abbild des achtbeinigen Pferd des Odins, dem Hengst Sleipnir, wurde von den Goten als Talisman getragen. Es galt als Zeichen der Fruchtbarkeit und der Kraft, und dem der es besaß, verlieh es Macht.

Schon 930 wurden auf Island die ersten Gesetzesversammlungen abgehalten, damit gilt Island als das Land mit der ältesten Demokratie. Einmal im Jahr trafen sich alle bedeutsamen Männer in der Altmännerschlucht, Almannagjá in Þingvellir. Sie kamen aus allen Teilen des Landes auf ihren prachtvollsten Pferden, um an den zweiwöchigen Versammlungen teilzunehmen. Hier wurden nicht nur Gesetze erlassen, Strafen verkündet und Verbrecher gerichtet, sondern es wurde auch Handel betrieben, es fanden Pferdemärkte und Pferdekämpfe (v.a. Hengstkämpfe) statt. Auf einer dieser Althings wurde auch das Gesetz erlassen, die Islandpferde genetisch reinzuhalten und der Import von neuen Pferden verboten. Auch Island blieb von Hungersnöten und Naturkatastrophen verschont. Die schlimmste Auswirkung auf die Insel hatte ein Vulkanausbruch im Süden. Der Ausbruch der Lakispalte 1783 führte zu einem monatelangen Ascheregen, der das schon spärlich vorhandene Weideland vergiftete. Etwa ein Viertel des Pferdebestandes verhungerte und der folgende harte Winter führte zu einer weiteren Dezimierung. Langsam erholte sich das Land wieder, die Industrie hielt Einzug und es begann der Export der Islandpferde.

 

Das Fundament des Islandpferdes ist stark, der Körperbau kräftig, aber dennoch elegant. Der Kopf mit den großen Augen drückt Charakter und Vertrauen aus. Die üppigen Behänge sind Erbe der harten Witterungsbedingungen auf Island. Sie sind ebenso unverwechselbares Merkmal wie ihr sehr langes und dichtes Winterfell.

Islandpferde sind etwa 130 bis 145 cm groß. Sie gelten als spätreif und werden erst mit vier Jahren eingeritten, erreichen aber ein hohes Alter und können auch noch mit über 20 Jahren geritten werden. Fast alle Farben, die ein Pferd besitzen kann, sind bei ihnen vertreten. Durch ihre Robustheit und Ausdauer wurden sie auf der Insel nicht nur als Reit- sondern auch als Packpferde genutzt - heute gelten sie als Reitpferde für Erwachsene.

Die Besonderheit dieser Rasse liegt jedoch bei den Gangarten. Sie beherrschen neben den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp noch den Tölt und den Pass.

 

Islandpferde sind anders. Ihnen fehlt meist die Menschenbezogenheit - die Herde ist wichtiger. Um so größer ist aber der Respekt vor dem Menschen. Wollen andere Tölter dem Menschen gefallen, so ist das Islandpferd eher gehorsam und bewahrt dabei dennoch seinen selbstständigen Charakter. Die jahrtausendelange halbwilde Haltung dieser Pferde auf Island hat sie geprägt und lässt sich in einigen Jahrzehnten des engen Kontakts mit dem Menschen auf dem Kontinent nicht ändern. Doch auch diese Scheu und die Distanz haben ihren Reiz, und hat ein Isländer erst einmal zu einem Menschen Vertrauen gefunden, so entwickelt er sich zu dessen „Kumpel“.

 

Der Schritt ist ein Viertakt in acht Phasen. Dabei befinden sich immer abwechselnd zwei oder drei Beine am Boden, während nur ein Bein nach vorne tritt. Es gibt keine Schwebephase. Die Kriterien eines guten Schrittes sind, wie beim Großpferd auch, dass der Hinterhuf mindestens genauso weit nach vorne tritt, wie der gleichseitige Vorderhuf. Das Pferd soll taktklar gehen und keine Verschiebung zum Pass - und damit zum Schaukelgang - aufweisen und fleißig vorausschreiten ohne zu eilen. Das Passverschieben im Schritt lässt sich am schnellsten lösen, indem das Pferd in einer schnelleren Gangart geritten wird. Ist keine Besserung zu erkennen sollte das Pferd mit Longenarbeit und viel Dressur „weich“ gemacht werden.

 

Der Trab ist ein Zweitakt mit vier Phasen, bei denen sich die diagonalen Beinpaare gleichzeitig bewegen. Zwischen dem Auffußen der Beinpaare entsteht eine Schwebephase. Diese Phase muss beim Isländer im Gegensatz zum Großpferd nicht immer spürbar sein. Häufig findet man einen eher weichen Trab, der für den Reiter leicht auszusitzen ist. Der Trab ist für Islandpferde eine schwere Gangart.
Der Trab kann durch verschieden Hilfsmittel gefördert werden. Beispielsweise werden solche Pferde häufig mit Glocken, Ballenboots oder Eisen an den Vorderbeinen geritten. Durch minimale Belastung der Hinterhand können trabarme Pferde schnell wieder in den Tölt fallen.

Ein idealer Trab zeichnet sich dadurch aus, dass er tatklar geritten wird, die Vorderhandaktion soll raumgreifend sein und das Pferd frei vom Zügel wegin hoher Aufrichtung geritten werden.

 

Der Galopp läuft idealerweise im Dreitakt ab. Er weißt eine lange Schwebephase auf, in der der Reiter das Gefühl hat, sein Pferd springt bergauf. Das Pferd sollte hierbei eine hohe Aufrichtung zeigen, der Reiter kann bequem sitzen und bei Tempoverschärfung bleibt das Pferd in Haltung. Stark rennpassveranlagte Pferde zeigen häufig nur gelaufenen Galopp, fasst ohne Schwebephase. Der Galopp kann dann nur mit einer Geschwindigkeitserhöhung geritten werden.

 

Der gröbste Taktfehler im Galopp ist der Kreuzgalopp. Den Reiter wirft ein kreuzgaloppierendes Pferd deutlich in die Luft, es lässt ihn nicht mehr sitzen. Zustande kommt der Kreuzgalopp, wenn die Hinterbeine nicht wissen, was die Vorderbeine tun. Die Vorderhand läuft Rechtsgalopp und die Hinterhand Linksgalopp. Schuld am Kreuzgalopp ist meist der Reiter selbst. Ein unruhiger Sitz oder eine ungenügend vorbereitete oder falsch gegebene Galopphilfe ist meist die Ursache. Auch Verspannungen im Rücken sind häufig die Ursache.

 

Ein energisches Angaloppieren und ständiges Treiben verhindert bei vielen Islandpferden einen anderen, sehr häufig vorkommenden Taktfehler, den Vierschlag-Galopp. Das Hinterbein des diagonalen Beinpaares fußt hierbei einen Tick früher auf als das Vorderbein.

 

 

 

Der Tölt ist ein Viertakt in acht Phasen, ohne Schwebephase. Abwechselnd sind im Tölt immer ein oder zwei Beine am Boden. Von der Fußfolge entspricht der Tölt dem Schritt. Der Unterschied zum Schritt wird sichtbar, wenn man die Beinaktion beobachtet. Wirklich gute Tölter gehen in mindestens in zwei Tempi taktklar. Aber was ist den jetzt taktklar?

 

Es ist gar nicht so einfach, einem töltenden Pferd auf die Beine zu sehen. Islandpferdereiter helfen sich häufig mit folgendem Trick: Sie reiten kurze Strecken auf einer Teerstraße, beim taktklaren Tölt hört man immer den typischen „Black und Decker, Black und Decker“ –Klang. Ob das Pferd ein wirklich guter Tölter ist, erfährt man nur auf längeren Strecken. Wenn der Viertakt immer locker und flüssig ist, befindet sich das Pferd im Gleichgewicht. Wichtig ist einegut untertretene Hinterhand, die dem Pferd eine möglichst hohe Aufrichtung mit geringer Zügeleinwirkung bringt.

 

Der Pass ist eine laterale Gangart mit Flugphase, die nur im Renntempo über kurze Strecken geritten wird. Er ist ein Zweitakt in vier Phasen. Die jeweiligen Beinpaare fußen gleichzeitig auf, unterbrochen von der Schwebephase. Das Pferd entfaltet hierbei eine enorme Kraft und Energie und scheint fast zu fliegen. Der Pass ist nicht bei jedem Pferd genetisch fixiert. Der Pass wird fast ausschließlich im Renntempo geritten, das langsame Tempo wird als fehlerhaft angesehen. Um Pass reiten zu können wird vom Reiter ein sicherer Sitz, ein schnelles Erkennen der Galoppart (links oder rechts), viel Tölterfahrung und ein gutes Einfühlungsvermögen verlangt. Vom Pferd verlangt der Pass viel Temperament und ein gutes Gleichgewicht, außerdem sollte es alle Gangarten perfekt beherrschen. Taktfehler gibt es beim Rennpass nicht.

 

 

 

In Island werden die meisten Islandpferd halbwild im Herdenverband gehalten. Den Sommer verbringen sie allein auf sich gestellt im Hochland und gebären dort ohne menschliche Einwirkung ihre Fohlen. Die Fohlen erhalten im Herdenverband bereits in ihren ersten Lebensmonaten die Eigenschaften, die sie später zu den tüchtigen und leistungsstarken Pferden werden lassen. Ende September werden die Herden ins Tiefland getrieben, aber auch dort werden sie im Freien gehalten und erhalten nur in harten Wintern und bei starken Schneefall zusätzliches Kraftfutter.

 

Durch das ausgeprägte Sozialverhalten unter den Herdentieren sind die Pferde auch im stärksten Schneesturm ideal geschützt. So wird beispielsweise die Position an der ersten Stelle (gegen den Wind) immer wieder neu belegt, die Jungtiere,Kranken und Älteren werden dabei immer geschützt.

 

Auf dem Kontinent können nie die selben Bedingungen herrschen wie auf Island, trotzdem sollten bei der Haltung folgende Dinge beachtet werden:

 

Isländer sollten nie einzeln gehalten werden, sondern immer im Herdenverband. Die sozialen Kontakte untereinander sind unabdingbar und erhalten die Charaktereigenschaften. Im Sommer sollten ausreichend große Weiden zur Verfügung stehen. Fohlen sollten von Geburt an in Gruppen gehalten werden. Im Winter bietet ein Offenstall den Windschutz.