Graukresse eine unbekannte Gefahr für unsere Pferde!

Aus leider sehr aktuellem traurigem Anlass möchten wir gerne auf die Gefahr, die von Graukresse ausgeht, hinweisen.

Auf dem Islandpferdehof Faxabol kam es leider in den vergangenen Wochen zu 7 Totgeburten. Alle möglichen Krankheiten, die dazu führen hätten können wurden per Tierarzt und Klinik ausgeschlossen, so dass die Ursachensuche sehr mühselig wurde. Schlussendlich war klar, dass eine kleine unscheinbare Pflanze diese ganzen Fohlen gekostet hat.

Ich selber habe die Gefahr, die von Graukresse ausgeht, im letzten Jahr kennengelernt, als auf einem Nachbarhof ein gesamter Stalltrakt krank wurde und einige Pferde sogar in die Klinik mussten. Alle mit unterschiedlichsten Symptomen: Fieber, Mattheit, angeschwollenen Beinen, Lahmen. Lange wurde auch an diesem Stall gerätselt, bis eine Futterprobe vom Heu eingeschickt wurde und das Resultat einen Großteil von Graukresse bescheinigte. Viele Pferden hatten noch Wochen mit den Folgen zu kämpfen. Schlussendlich brachte die Klinik aber Gott sei Dank alle Pferde durch. Natürlich war das auch ein Anlass, nach dem schon bekannten Jakobskreuzkraut, die eigenen Wiesen auch mal nach dieser Pflanze abzusuchen.

Die Graukresse ist eine ein- oder zweijährige krautige Pflanze, die eine Höhe von 20 bis 80, in seltenen Fällen auch bis zu 110 Zentimeter erreicht. Sie ist graugrünfilzig mit Sternhaaren bedeckt. Die Graukresse blüht von Mai bis August, die Früchte reifen von Juni bis September (Foto und weitere Beschreibung siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Graukresse).

Graukresse ist eine Pflanze, die vor allem auf sandigen Böden wächst und auch gerade auf Flächen mit kaputter Grasnarbe vorkommt.  Sie bevorzugt kalkarmen, nährstoffreichen, trockenen Sandboden in voller Sonne und stammt ursprünglich aus Osteuropa/Asien (http://www.gartendatenbank.de/wiki/berteroa-incana).

Diese Pflanzen ist für Menschen nicht giftig, wird sogar als Kresse ähnliches Nahrungsmittel beschrieben.

Wie man an dem Kurzzitat aus der Cavallo sehen kann, ist das Thema schon etwas länger bekannt, aber noch längst nicht in jedem Stall angekommen.

Zitat aus der Cavallo 02/2011:

„Wissenschaftler der Freien Universität in Berlin haben ein bisher in Deutschland nicht bekanntes giftiges Kreuzblütengewächs entdeckt- die Graukresse. In Brandenburg löste die Pflanze bei 23 Pferden reheähnliche Symptome aus.

Dr. Robert Pieper vom Institut für Tierernährung analysierte das Futter: " das Heu bestand zu 30% aus Graukresse." Ein Pferd wurde eingeschläfert, den anderen ging es dank Intensivtherapie nach ein paar Tagen besser.

In den 1990-er Jahren wurden bereits vergleichbare Fälle in den USA beschrieben.“

Kontrolliert vor allem eure Heuwiesen! Graukresse kann auch starke Rehe verursachen.

Traurig an dieser ganzen Geschichte ist übrigens nicht nur der Verlust an vielen tollen Fohlen, sondern auch, dass die Gerüchteküche wieder weite Kreise gezogen hat.

Ist es denn nicht einfach unter Kollegen mal ein Telefon zur Hand zu nehmen und zwei offene, unkomplizierte Hofbesitzer anzurufen und nach den Ursachen zu fragen?

Eigentlich sollte so etwas ja gerade in der Pferdewelt selbstverständlich sein, wo das Grüßen quasi schon mit den kleinsten Abzeichen gelehrt wird.

Diese Ohnmacht, die solch eine Geschichte mit sich bringt, wird durch Vermutungen und fehlerhafte Meldungen nicht einfacher.

Wir drücken die Daumen, dass alle Pferde, die noch unter den Folgen leiden, wieder völlig genesen, dass die Ursache Graukresse noch weiter bekannt wird, damit nicht noch mehr Pferde leiden müssen und dass Hofbesitzer, Reiter und die restliche Pferdewelt mutig genug werden, mal das Telefon zur Hand zu nehmen, bevor Verdächtigungen in die Welt gesetzt werden.